Abschied für immer

Der 12. Dezember 2019 war ein schwerer Tag für mich, mit dem ich heute noch nicht abgeschlossen habe. An diesem Tag jährte sich der Todestag meines geliebten Großvaters zum zehnten Mal. Und meine Oma, die für mich wirklich alles bedeutete, folgte ihm an diesem Tag nach.

Ich kann verstehen, dass das Leben endlich ist. Begreifen möchte ich es nicht. Noch heute finde ich beim Aufräumen handgeschriebene Einkaufszettel meiner Oma und dann trifft es mich eiskalt und ich hab Tränen in den Augen. Aus diesem Grund blogge ich heute, drei Monate nachdem ich Abschied nehmen musste, darüber. Weil es mich heute wieder erwischt hat.

Wenn ihr noch Großeltern habt, die euch euer Leben lang begleitet, geprägt, unterstützt und geliebt haben: Drückt sie! Gebt ihnen einen Kuss und sagt ihnen, dass ihr sie liebt. Eines Tages könnt ihr das nicht mehr. Heute bin ich unfassbar froh darüber, dass ich meiner Großmutter in den letzten Stunden ihres Lebens genau das sagen konnte. Sie noch einmal in den Arm nehmen konnte. Denn als ich von einer Veranstaltung im Kindergarten zurückkam, fand ich sie tot. Als der Abend kam, ging sie zu den Sternen… was folgt ist ein Abschiedsbrief, den ich am Abend ihres Todes schrieb.

Vierzig Jahre lang hatte ich Großeltern.
Ist das nicht wunderbar?

Als mein Großvater am 12. Dezember 2009 starb, wurde meine Welt dunkel. Er war so wichtig. Er war mir so nah. Er war der beste Opa und ein großartiger Uropa. Ich werde sein Bild immer in Erinnerung behalten, wie er sonnengebräunt aus dem Garten nach Hause kam, seinen Hut an die Garderobe hängte und das beste Bauernfrühstück zubereitete. Das verbinde ich mit meiner Kindheit. Das war zu Hause. Heimat. Frieden.

Oma stand so oft in ihrer Kittelschürze am Herd und kochte die leckerste Erdbeermarmelade. Die war so lecker, unser Elektriker ließ sich früher mit Marmelade bezahlen.

An den Wochenenden schlief ich zwischen Oma und Opa und war ein wunderbar behütetes Kind.

Liebe Oma, als dein Mann starb, wolltest du mitgehen. Doch du hast uns noch zehn Jahre geschenkt. Zehn Jahre, in denen die Zahl deiner Urenkel explosionsartig anstieg und du immer gestrahlt hast, wenn sie nach dem Kindergarten zu dir ins Wohnzimmer gekommen sind. Dein ältestes Urenkelkind vermisst dich wahnsinnig. Sie sitzt in deinem Sessel und hofft, dass du wieder reinkommst und über den Hund schimpfst.

Wem kauf ich denn jetzt jede Woche Kitschromane? Was mach ich mit dem ganzen eingefrorenen Brot? Wer packt denn jetzt meine Blusen in den Trockner? Oma! Ich hab heute deine gefüllte Paprika nach unten gebracht. Aber du warst nicht da. Wirst es nie mehr sein. Ich fühl mich so verloren. Wer erinnert mich daran, die Mülltonne rauszustellen? Oder schimpft, weil das Altglas noch im Hof steht?

Du bist an Opas 10. Todestag von uns gegangen. Nach zehn Jahren ohne Opa hat dein Herz aufgehört zu schlagen. Das ist fast poetisch. Der Gedanke, dass ihr zwei euch wieder habt, tröstet.

Ich war gestern bei Opa auf dem Friedhof und hab ihm gesagt, dass du jetzt zu ihm kommst. Er soll auf dich aufpassen, hab ich ihm gesagt. Du kannst nicht mehr so gut laufen. Ihr zwei macht das schon. Danke, dass ich euch hatte. Danke für eure Liebe. Bis wir uns wiedersehen.

In Liebe.
Für immer.
Euer Trotzkopf.

3 Kommentare bei „Abschied für immer“

  1. Janine Grebenstein sagt: Antworten

    So wunderschöne worte. Du sprichst mir aus der seele. Ich wünschte auch das ich die zeit noch einmal zurück drehen könnte um einmal meine oma und opa zu umarmen. Danke für diese schönen znd verallem wahren worte❤

  2. So schön geschrieben, vielen Dank. Ich kann das sehr gut nachempfinden. ❤️❤️❤️

  3. Das hast Du so schön geschrieben und Du sprichst mir damit so aus der Seele. Ich habe meine Großeltern über alles geliebt und verbinde viele wunderbare Momente und Dinge mit Ihnen. Und diese werde ich immer in meinem Herzen tragen. Danke für diese wunderbaren Zeilen.

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