Papas sind leichte Opfer

Heute Nachmittag war ich mit der Großen in der Stadt beim Optiker. Nach gut einer Stunde, dreitausend Brillengestellen später und 150€ ärmer kamen wir wieder zu Hause an. Oder besser: in dem was davon übrig blieb. Ich hätte vielleicht einfach im Auto sitzen bleiben und zur Ostsee durchfahren sollen. Da ist es im Winter ganz wunderbar still und aufgeräumt.

Der Papa war mit den drei Kleinsten allein zu Hause. Und sagen wir mal so: Die müssen den Kerl sediert und mit Panzertape an die Decke geklebt haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Vielleicht ist mein Mann in dieser auch Zeit schlagartig erblindet, wurde taub und bewegungsunfähig. Die Kinder könnten ihn mit einem Nudelholz k.o. geschlagen haben. Eventuell war er aber auch so sehr gefesselt von seinem neuerlichen Raub in Age of Empires, dass es ihm unmöglich war, nach den Kindern zu sehen. Ich habe da viele Theorien. Er hatte gerade nur ein überraschtes „Huch!“ in petto. Und ich hab Puls.

Chaos und Zerstörung komprimiert auf 60 Minuten. Das ist eine krasse Leistung. Im Kinderzimmer befand sich kein Stein mehr auf dem anderen. Der Putz in der Küche wurde an diversen Stellen großzügig abgeschabt, glatte Wände sind ja auch viel schöner. Vom Flur bis zum hintersten Winkel des Kinderzimmers lag eine Spur Styropor, wie Brotkrümel. Beim Sonntagsmärchen passen sie also gut auf. Die Werkbank und der große Bagger waren als Schutzwall hinter der Tür zum Kinderzimmer aufgebaut und danach musste ich mich erst einmal durch ein Gebiet voller Tretminen schlagen – Matchbox Autos und Legosteine. Dazwischen Haarspangen. Unzählige! Jetzt hab ich die zumindest wieder und muss nicht mehr verzweifelt danach suchen.

Weil das an sich Situationen sind, in denen mir gerne die ein oder andere Halsschlagader platzt, atme ich tief durch und schnür die Laufschuhe. Schlimmer kann es ja nicht werden. Ach was red ich. Kann es doch. Während ich japsend und graziös wie ein besoffener Otter meine sechs Kilometer runterreiße, reißen die Plagegeister zu Hause den Inhalt meiner Handtasche an sich und versenken ihre Handabdrücke in der Quarktorte. Als Finale parken sie den Schiebe-Bagger als Stolperfalle direkt hinter der Schlafzimmertür. 

Und jetzt weiß ich es auch: Ich lass sie nie wieder „Minions“ gucken, die lernen da zu viel. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben die sich übereinander gestapelt und sind als hinterhältige Räuberleiter mit der Wokpfanne im Anschlag hinterrücks auf meinen Mann los. Die haben den Ärmsten erneut bewusstlos geschlagen! Der kann gar nix dafür. Seht ihr doch auch so?

Diese Theorie rettet zumindest sein Leben für den Moment. Er schenkt mir gerade ein Glas Martini ein. Und dann mach ich die Augen zu und singe ganz laut „Lalalalala!“ – dann ist das ganze Chaos nämlich gar nicht mehr da.

4 Kommentare bei „Papas sind leichte Opfer“

  1. Oh sowas kenne ich. Der Papa hier glaubt fälschlicherweise nämlich auch immer er wäre multitaskfähig und könne im Internet surfen und gleichzeitig die drei kleinen Tyrannen hier beaufsichtigen und sinnvoll beschäftigen. Übrigens ist er gerade unterwegs zu Media Markt sich ein neues Handy kaufen weil er gestern auch mal wieder diesem Trugschluss unterlegen war und der jüngste sein altes im Klo vesengt
    hat. Bin ich gemein wenn ich da jetzt kein Mitleid habe?

    1. No, selber schuld 😀 hier muss man auch alles vorsorglich an die Decke tackern, wenn nicht, Pech gehabt. Sein unzerstörbares Nokia-Display hatte nach einer kurzen Begegnung mit meinem Sohn eine hübsche Spider-App. xD Manchmal glaube ich, der Kerl versteckt sich hier hinterm Vorhang und hofft das Beste, wenn ich nicht da bin.

  2. Warum zum geier sind die alle gleich? Mein Mann ist derzeit in Winterpause zuhause wer glaubt er würde mal n Handschlag machen… hahaaaaahaaaaaa ich brauch n schnaps!!

    1. Das ist höchstwahrscheinlich genetisch bedingt, irgendwas mit Darwin und Evolution. Die können halt nur jagen und nicht aufräumen oder aufpassen. 😀

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