Urlaub mit Kindern. Fun. Fun. Superfun!

Ich war im Urlaub. Mit drei Kleinkindern. Einem Teenager. Und meinem Mann. Ratet mal. Ja, genau. Ich brauch Urlaub. Von meinen Kindern. Vielleicht auch von meinem Mann. Auf einer einsamen Insel. Im Pazifik. Gerne Haie drumherum. Dann bleibt es ruhig. Superruhig! Ich habe im Urlaub gelernt, dass ich Ruhe schätze. Sehr sogar.

Alles begann mit der planmäßigen und voller Angst erwarteten Sommerferienzeit der drei Kleinsten vom Kindergarten. Yay! Kinder bespaßen. Rund um die Uhr. Ich freue mich jedes Jahr darauf. Die erste Woche lief ganz gut und das war die Falle, in die wir getappt sind. Denn das veranlasste meinen Mann zu der wunderbaren Idee, ans Meer zu fahren. Nach Polen. Würde bestimmt wunderschön werden: Die Kinder spielen den ganzen Tag im Sand, wir chillen im Strandkorb und am Ende sind alle glücklich. Merkt ihr selber, ne? Warum macht man das? Urlaub mit Kindern? Finde mal von jetzt auf gleich eine Unterkunft für sieben Personen. Last Minute. Am Meer. In der Hauptsaison. An dem Wochenende, ab dem in allen Bundesländern Sommerferien sind.

Allein das Planen, Buchen, Packen und Organisieren lässt Lebenszeit so rasant zerrinnen, dass dir schwindelig dabei wird. Am Abend vor der Abreise fühle ich mich wie 50 und sehe dem familiären Konsens nach auch so aus. Ähnlich wird es dem Kaufhausfotografen ergangen sein, der die biometrischen Passbilder für die Kinderreisepässe unseres Nachwuchses gemacht hat. Ist halt nicht so einfach, einen kreischenden Sack Flöhe zu fotografieren.

Aber! Am Abreisetag stehe ich – bevor der erste Hahn ans Krähen denkt – in der Küche und schmier Brote, schnipple Obst und Gemüse, packe Wasserflaschen und Tees in die Kühltasche und schleppe Koffer und Reisetaschen nach unten. Die Kinder zu wecken ist dann ein Klacks. Hey! Urlaub! 600 Kilometer Autobahn! Das wird toll! Bei Kilometer 50 seh ich meinen ersten Waschbären überhaupt. Tot. Am Straßenrand. Bei Kilometer 100 kotzt das erste Kind und wir suchen hektisch einen Autohof. Bei Kilometer 300 kotzt das zweite Kind und wir sind schon etwas entspannter. Nützt ja nix. Bei Kilometer 350 sehe ich meinen zweiten Waschbären. Ja, tot. Gibt es noch lebende? Dank des Teenagers kenn ich aber jetzt jedes Kennzeichen der Welt und weiß, dass “B” für “Stadt Bayern” steht. Ja, in Geografie ist sie ne ganz Große. Bei Kilometer 500 passieren wir die Grenze und sind in Polen. Die Vierjährige nimmt das zum Anlass, Leas “Leiser” neu zu interpretieren. Sie singt laut, sehr laut, mit engelsgleicher Stimme: “Ich lieg in meinem Darm und du redest wieder nur von mir. Alle meine Freunde finden, dass ich leiser bin.” Autofahren mit Kindern ist toll. Fassen wir den Urlaub der Einfachheit halber nun zusammen:

Tag 1: Juhu! Es gibt Pommes! Und Eis! Und einen Rappelanfall im Dreierkanon an der ersten Imbissbude am Strand, weil es hier keine Pommes mit Pizza gibt und Papa so schlau war, eine Flasche Limo für drei Kleinkinder zu holen. Anfängerfehler.

Tag 2: Juhu! Es gibt Pommes! Und Eis! Und Mojito für Mama. Und eine verschwundene Vierjährige, die sich ganz formidabel in das Bild anderer urlaubender Familien einfügt. Sie setzt sich einfach dazu, spielt mit dem Spielzeug der fremden Kinder und quatscht die Leute zu, egal ob sie sie verstehen oder nicht. Liebe Menschen, die ihr in diesem Sommer an der Ostsee gewesen seid und euch wundert, wer dieses fremde Kind ist, dass da auf euren Familienfotos mit drauf ist. Das ist meine Tochter. Ihr zweiter Vorname ist “Fotobombe”. Gern geschehen.

Tag 3: Juhu! Es gibt Pommes! Und Eis! Und Krieg. Ist ja vollkommen logisch, dass das Kind, das im Restaurant Nudeln wählt eigentlich Pizza will und das Kind, das Pizza wählte Nudeln möchte, aber keiner der beiden auch nur ansatzweise bereit ist zu tauschen. Und sitzenbleiben is ja eh doof. Lautstarkes Lamentieren wie kacka die Mama ist, ist ja auch viel schöner. Mojito für Mama.

Tag 4: Das Meer ist doof. Aber hey! Es gibt Eis! Und Pommes! Und ein sich über den Sandstrand prügelndes Knäuel Kleinkinder. Der Teenager schließt derweil mit seinem Vorhaben ab, jemals Kinder zu bekommen. Kinder sind nämlich scheiße. Sie wird Crazy Catlady. Wir laufen durch Misdroy und schauen uns das Pier an… eine zankende, bockende und sich auf den Boden werfende Kleinkinderkette im Schlepptau. Hey! Polnische Hotdogs sind lecker! Und Bier. Wann schlafen die Kinder endlich? Ich will hier weg.

Tag 5: Juhu! Es gibt Pommes! Und Eis! Und Eis! Ach, scheiß drauf. Es gibt Eis! Das Meer lächelt milde, als wir mit drei brüllenden Kindern an den Strand kommen. Ich hab Sonnenbrand. Keine Nerven mehr. Aber es gibt Desperados! Vielleicht werde ich Alkoholiker. Bin noch unentschlossen. Die Vierjährige quatscht wieder fremde Kinder zu. Der Teenager friert. Und mein Mann möchte dringend weggebeamt werden. Oh! Da laufen die Figuren aus Paw Patrol und Peppa Wutz in Lebensgröße am Strand entlang und machen Werbung für einen Freizeitpark in der Nähe. Ratet mal, wer seine kreischenden Kinder suchen kann, weil die in unterschiedliche Richtungen türmen, als ihnen klar wird, dass sie diese großen “Plüschtiere” nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Diese mit süßer Sahne gefüllten Pfannkuchen, die es hier an jeder Ecke gibt und die so schön die Arterien verfetten… ich überfress mich jetzt an denen und sterbe glücklich. Oh, die Kinder wollen Eis.

Tag 6: Komm, wir fahren heim. Reicht. Die Kinder wollen Eis.

Ich weiß nicht, wie Familienurlaub bei anderen abläuft. Ich will es auch gar nicht wissen. Das würde mich sonst unnötig traurig oder neidisch machen. Mit Kindern kann man nicht entspannen. Mit einem vielleicht. Mit zwei Kindern sicherlich auch noch. Aber so ein Jumbo-Sparpack Kinder + 2 Gratis ist dann doch irgendwie ein klein wenig anstrengend. Die eingepackten Klamotten reichen natürlich auch nicht und der Schlaf fällt noch kürzer aus als zu Hause. Aber ich glaube mich erinnern zu können, dass das Meer schön war. Ja, das Meer war schön.

Die Vierjährige sagte heute Morgen, dass sie den Urlaub ganz toll fand und wieder mit uns ans Meer fahren will. Der Mann nickte und sagte: “Das machen wir.” Ich glaub, ich hab jetzt Fieber.

4 Kommentare bei „Urlaub mit Kindern. Fun. Fun. Superfun!“

  1. Die Pizza-Nudel Geschichte kommt mir sehr bekannt vor
    Uuuuund ich bin so stolz auf mich, auf die Idee gekommen zu sein, Eis aus dem Supermarkt im TK gebunkert zu haben so günstig haben unsere Kinder noch nie Eis im Urlaub gegessen bis jetzt hat sich noch keiner beschwert

  2. Herrlich!
    Ich sag immer, Familien Urlaub mit Kleinkindern ist wie Babysitten woanders.
    Nur mit dem Unterschied das es gaaanz viel neues zu entdecken gibt und noch mehr neue Möglichkeiten um Mist zu bauen.
    Erhol Dich gut.
    Zu Hause.

    1. Mein Sofa hilft mir dabei sehr. Danke!

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