Wir waren heute duschen.

Das mache ich nie wieder! Eine Leidensgeschichte in 53 Akten bei strahlendem Sonnenschein und sehr viel Geschrei. Sehr viel Geschrei. Hier gehts lang:

Freitagmittag rief mich mein Mann an, um mir mitzuteilen, dass der Motor unserer Heizungsanlage ausgefallen sei und die Ersatzteile nicht vor Montag lieferbar seien. Nichts, wirklich nichts schreit lauter „Hallo, du Drüsengünther! Ich bin’s, Freitag, der 13te!“ als eine kaputte Warmwasserversorgung und die Aussicht auf fünf stinkende Kinder. Nichts. Dass das richtig schön werden würde, hab ich da irgendwie schon geahnt.

Nun kannst du dich mit kaltem Wasser und Katzenwäsche mehr schlecht als recht übers Wochenende hangeln, irgendwann muss mal ne ordentliche Dusche her. Und da dachte ich an meine ahnungslose Mutter und ihr frisch renoviertes Bad. Ja, ich bin böse. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen oder überfällt die Badeanstalt der eigenen Mutter. Mit seinem auf Krawall gebürsteten Nachwuchs im Schlepptau.

Sonntagmorgen also stehen wir mit vier Kindern in Schlafanzügen vor der Tür meiner Mutter. Die Älteste hat sich – ganz tapfer – für eine Kneipp-Behandlung im heimischen Badezimmer entschieden. Strafft die Haut! Mit Handtüchern unterm Arm und Haaren aufm Kopf, die den Struwwelpeter erblassen lassen, macht die Bande jetzt im Wohnort der Oma so viel Lärm, dass die Gardinen in den Fenstern der Nachbarhäuser in Bewegung geraten. Meine arme Mutter blickt erschrocken aus der Tür und winkt uns hektisch rein. Ich komme mir ganz wunderbar kriminell vor.

Omas Bad ist groß! Sehr groß! Sieben Leute passen problemlos rein, vier davon in die Dusche. Ich bin am überlegen, in die Dusche zu ziehen. Wir fangen mit der Jüngsten an, die absolut keinen Bock auf Duschen und Haare waschen hat. Alter, kann die laut schreien! Meine Mutter hält die Duschtür zu, ich steh mit drin und bin nach einer Minute schon weitaus geduschter als das Kind, die dort olympische Kreise ums Wasser rennt. Nur nicht nass werden! Ihrem Zwillingsbruder schwant derweil, dass er der Nächste ist und er versucht die Flucht übers ebenerdige Hoffenster. Da steht der Opa aber Schmiere und scheucht ihn zurück. Die Jüngste hat es derweil geschafft und flüchtet schimpfend zum Papa. Machen wir es kurz: der Sohn mag auch kein Wasser.

Während die Zwillinge von Oma und Papa trocken gerubbelt werden, schmeißt die Vierjährige mit Schwung die Türen der Duschkabine auf und gibt mir den Befehl: Wasser marsch! Aber nicht zu viel Seife! Da wird man sonst sauber.

Nach dem Haare waschen von drei Kleinkindern, bin ich völlig durchgeschwitzt. Könnte jetzt duschen, aber der Mann drängelt sich vor. Ist ja wie zu Hause. Also gehen wir in die Küche, denn da gibt es Schokolade für die Kleinsten und Kaffee für mich. Der Papa kommt kurze Zeit später gut duftend zu uns und ich könnte endlich duschen, aber da fliegt die Tür vor meiner Nase zu, der Teenie war schneller. So wasserscheu das Weib sonst ist, so unfassbar lange verschanzt sie sich im Bad.

Die drei Kleinsten rennen derweil schreiend im Kreis um den Opa. Ich glaub, der braucht Schnaps. Die Schokolade ist jetzt auch alle, aber da sind ja Stifte! Zum Malen! Panik macht sich breit, denn Oma und Opa haben gerade frisch tapeziert.

Nach einer halben Stunde, darf ich auch endlich duschen. Und: Zack! Die Badezimmertür fliegt auf, die Jüngste muss pullern. Oma kommt hinterher. Klar, kommt alle! Ist genug Platz hier! Der Sohn (2) stellt sich vor die Dusche: „Mama, duscht du?“ Es ist alles sehr entspannt. Der Mann läuft an der offenen Badezimmertür vorbei und pfeift. Ich verteil gleich Eintrittskarten! Die Jüngste wäscht sich dann ganz vorbildlich die Hände und das Wasser in der Dusche wird – ja, ratet mal – kalt! Da hätte ich auch zu Hause duschen können. Weil es noch nicht genug Publikum gibt, guckt die Vierjährige zur Tür rein: „Mama! Du bist ja nackig!“ Das hier hat Potential für ein Musical.

Ich bekomme dann tatsächlich noch fünf Minuten allein im Bad. Das ist so schön. Und surreal. Ich mache schließlich die Tür auf und vier quakende Kinder stehen davor. Ich mache die Tür wieder zu. Besser.

Nach zwei feuchtfröhlichen Stunden, scheuchen wir vier ganz liebreizend winkende Kinder zu zwei Autos und sehen im Augenwinkel, wie Oma und Opa sich den Schweiß von der Stirn wischen.

Ich glaub, die müssen mal duschen.

2 Kommentare bei „Wir waren heute duschen.“

  1. Wieder so herrlich geschrieben ich liebe deine Geschichten!!

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