Entspann dich doch mal.

Es gibt nach 40 Jahren in diesem Leben nicht mehr viele Dinge, die mich entspannen können. Seit 16 Jahren heiße ich nur noch Mama. Und seit ebenso vielen Jahren bin ich unterschwellig völlig unentspannt, weil ich an tausend Dinge gleichzeitig denken muss und gar nicht mehr weiß, wie man sein Hirn einfach mal runterfährt. Leere im Kopf muss schön sein.

Hab’s mit Wein versucht. Hilft nicht. Hab’s mit Zigaretten versucht, stinkt bloß. Hab’s mit Joggen versucht. Leute! Man riecht am Ende nach plattgewalztem Aas am Straßenrand. Hab’s mit Lesen versucht. Wenn dir dreimal das verdammte Buch auf die Nase gefallen ist, hast du da auch keinen Bock mehr. Am Zeichentisch sitzen ist auch nur bedingt erholsam, weil in der Zwischenzeit die drei Kleinsten wie ein Heuschreckenschwarm durch das Haus ziehen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es ist nicht einfach. Ehrlich. Selbst Nervennahrung entspannt nicht mehr, weil da immer drei kleine Kröten vor mir stehen und auch was haben wollen. Und da ich das Schokolade und Chips essen deshalb auf die Zeit gelegt habe, in der die Kinder wirklich, wirklich schlafen und das Rascheln der Chipstüte nicht mehr hören, futtere ich zu spät und zu viel und habe mir einen hübschen Rettungsring um die Hüfte zugelegt. Polstert gut. Lässt aber Jeans platzen. Naja.

Mit Yoga hab ich es versucht. Wenn du aber ständig kleine Füße im Gesicht hast oder dreimal die Frage beantworten musst, was du da gerade machst, dann ist das auch eher Cardiotraining. Apropros Cardiotraining – ich hab es dann halt auch mit Hula Hoop versucht und nach dem vierten Tag in Folge, an dem mir meine Kinder absolute Inkompetenz im Hüften kreisen attestierten, hab ich das auch aufgegeben. Aerobic macht insofern Laune, als dass ich ständig aufpassen muss, niemanden mit meinen umherrschwingenden Armen zu treffen, denn irgendeiner läuft mir immer durchs Bild. Relax Level -2.

Tee trinken entspannt auch nicht, denn der wird immer kalt. Kuchen würde mich bestimmt entspannen, aber da hätten wir wieder das leidige Problem mit dem Hüftgold. Ich wollte spazieren gehen, aber da wollen die Kinder immer mit und die rennen im Grunde sofort in unterschiedliche Richtungen weg. Ihr ahnt es. Das entspannt nicht.

Seit langem sinniere ich über eine Mutter-Kind-Kur nach und frage mich, wie erbaulich das mit drei Kindern werden könnte. Und weil sich mein Hirn gerne in Horrorszenarien festfährt, hab ich das mit der Mutter-Kind-Kur bislang noch nicht in Angriff genommen. Mach ich aber noch. Wenn so viele auf Mutter-Kind-Kuren schwören, dann muss da ja was dran sein.

Meine Apple Watch versucht mich auch beim Entspannen zu unterstützen, wenn sie mir nicht gerade sagt, dass ich eine faule Sau bin, weil ich nicht alle Ringe geschlossen hab. Komm, heute wenigstens einen, du Couchpotatoe! Und jetzt atme! Dieser Stress! Bin nach dem Atmen immer fix und fertig.

Aber dann ist etwas völlig Unerwartetes geschehen – ich habe Entspannung gefunden. Und das ging so: Seit vier Jahren teilen mein Mann und ich das Bett mit drei Kindern. Alle Versuche sie in ihre eigenen Betten auszuwildern, schlugen fehl. Egal was wir versuchten, eine halbe Stunde später hatten wir wieder sechs Hände, sechs Füße und drei Hintern im Gesicht. Du kannst einfach nicht in die Tiefschlafphase kommen, wenn dir ständig jemand in die Nieren boxt. Und plötzlich – ohne Vorwarnung – sind die kleinen Geister in ihre Betten verschwunden. Einfach so. Und dann war mit einem Schlag etwas vollkommen Unbekanntes da: Platz. Könnt ihr euch vorstellen wie breit 90cm Doppelbetthälfte sein können, wenn man dort bislang jede Nacht im Tetrisprinzip gestapelt lag? Und wie ruhig das auf einmal ist? Kein zusätzliches Schnarchen (der Gatte schnarcht ganz elend)! Kein Gepupse! Kein Gemurmel. Ruhe! Wahnsinn!

Und weil der Platz und die Ruhe allein nicht genug sind, haben diese lieben Kinder ihren Biorhythmus umgestellt und schlafen einfach länger! Die schlafen länger!! Und damit können wir länger schlafen! Und die können Netflix bedienen. Noch mehr Schlaf! Es ist das Paradies! Es ist der Heilige Gral! Der perfekte Donut! Leute, sofern ihr die Möglichkeit habt, dann schlaft um euer Leben! Dass dann eventuell mal wieder Schränke und Wände angemalt wurden – geschenkt.

Tschüss, ich geh schlafen.

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