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Sonntag

Gestern Nachmittag schrieb mir eine Kollegin, ich solle das Wochenende genießen und mich entspannen . Hab ganz liebenswert gelogen und “Mach ich!” geantwortet. Warum? Weil es scheinbar Common Sense ist, dass Mama sich zwischen dreckigem Geschirr, Krümeln unterm Sofa und Wäschebergen an den Wochenenden wunderbar entspannen kann. Eine kleine Wutrede:

Heute morgen habe ich das Frühstück für die Familie vorbereitet. Eier gekocht, Brötchen aufgebacken und mit meinem vierjährigen Sohn den Tisch gedeckt. Nach dem Frühstück habe ich aufgeräumt, die Spülmaschine befüllt, gekehrt und gewischt. Warum? Weil ich ein Trottel bin, es niemand sonst macht, alle lieber verhungern statt sich ums Frühstück zu kümmern, darum. Dann habe ich mich daran erinnert, dass mein Sohn vergangene Nacht hyperglykämisch war und dementsprechend viel in die Windel gepullert hat, was die nicht mehr fassen konnte und er erst sein Bett und dann meins eingeweicht hat. Also habe ich die Bettwäsche abgezogen, die seiner Schwestern auch gleich, da klebte unerklärlicherweise Schokolade auf den Decken. Wäsche zum Sonntag. Juhu!

Die Wäscheleine war noch voller Wäsche vom Vortag. Also abnehmen, zusammenlegen, in die Schränke sortieren. Zwischendurch durfte ich den ein oder anderen Streit zwischen den drei Jüngsten des Hauses schlichten. Dazwischen wiederum habe ich insgesamt fünf Betten frisch bezogen. Die Spülmaschine war dann auch fertig. Darauf stapelte sich schon die nächste Ladung und dann hat die Waschmaschine gepiept. Da hatte ich schon keinen Bock mehr. Ich wollte heute tatsächlich nix machen. Bisschen malen. Bisschen Tee trinken. Bisschen mit Decke auf der Couch liegen. Aber irgendwie funktioniert das nie. Selbst wenn ich Aufgaben verteile. Dann wird das nur mit halbem Arsch erledigt.

“Hier, Familie, ist der Küchenkalender. Da stehen die wöchentlichen Termine für die Mülltonnen drin. Guckt montags drauf, welche Tonne an der Reihe ist und stellt sie raus. Danke.” – Das Ende vom Lied ist eine randvolle Restmülltonne, die jetzt die nächsten zwei Wochen so stehen bleibt, weil sich keiner verantwortlich gefühlt hat. Man muss halt sehr präzise werden. Ok. Hab ich mir gemerkt. Der Gatte guckt prinzipiell nicht auf den Kalender. Er bringt ja auch nicht den Müll runter. Aber darüber reg ich mich schon gar nicht mehr auf. Das ist verschwendete Energie. Da reg ich mich nur übers Aufregen auf. Das regt mich auf.

Ich hab dann die Sofas im Wohnzimmer wieder leergeräumt und durchgesaugt. Als ich mich endlich hinsetzen wollte, saßen drei Kinder und ein Mann drauf. Reise nach Jerusalem ist ein blödes Spiel. Ich verlier immer.

Wie kann das eigentlich sein, dass prinzipiell jeder Scheiß an mir hängen bleibt? Die Rechnungen, die Steuer, die Arzttermine, der Haushalt, die Elternabende. Und seit wir alle mit Corona leben, bleibt auch die ganztägige Kinderbetreuung an mir hängen, neben der Arbeit. Dass dabei irgendwas auf der Strecke bleibt, ist klar. Das bin ich. Und ich rede mir den Mund fusselig, dass ich Hilfe von allen brauche, dass wir als Familie gemeinsam für den Haushalt verantwortlich sind. Seh ich aus wie der Sonnenkönig? “Der Haushalt, das bin ich?” Nein, verdammt! Macht euren Scheiß allein!

Das Geschirr gehört in die Spülmaschine und nicht drauf! Der Mülleimer wird geleert, wenn er voll ist! Gläser, Tassen und Teller werden nicht dekorativ im Haus verteilt. Ich hasse Deko! Dreckwäsche gehört in den Wäschekorb und ist kein wachsender Teppich! Apfelkrebse gehören in den Biomüll und nicht ins Bücherregal! Leere Bierflaschen sind kein hippes Kitchen-Accessoire, räum sie in den verdammten Bierkasten! Wenn es klingelt, kann man nachsehen wer da ist! Das kann übrigens jeder, nicht nur ich. Wenn die Klopapierrolle leer ist, schieb ‘ne neue auf die Halterung! Und lass die leere Rolle nicht im Fenster liegen! Oh, du hast dich rasiert? Mach den Ablauf in der Dusche wieder frei! Das Nutella ist alle? Dann stell es nicht zurück ins Regal, dann weiß keiner, dass es alle ist! Herrgottnochmal! Ihr wollt am Wochenende zusammen frühstücken? Dann kümmert euch! Wo der Kühlschrank steht, wisst ihr. Offensichtlich. Wie schwer kann es sein, mir das Leben nicht zur Hölle zu machen? Wie schwer, liebe Familie?

Ach, die Mama schimpft wieder? Ach, die Alte mault? Wenn ich aufhöre zu maulen, solltet ihr nachschauen, ob meine Kleider noch im Schrank sind. Könnte sein, dass ich dann die Schnauze voll hab und nach Narnia verschwunden bin.

Wir erwarten zu wenig und bekommen es auch.

Ich trink jetzt Tee. Zur Beruhigung!

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