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Die Vierjährige wird fünf

Unvermeidlich im Leben einer Mama sind ja nur ein – oder zwei bis fünf Kindergeburtstage pro Jahr. Schön schaurig, nervenaufreibend, knallbunt. laut und unvergesslich. Und trotz der Tatsache, dass sich diese Rock’n Roll-Parties tief in das mütterliche Gedächtnis eingraben, sind wir doch immer wieder so geistig umnachtet, einen neuen Kindergeburtstag auszurichten. Mit allen Konsequenzen. Irgendwann lern ich’s noch. Ganz sicher. Ach, gebt mir einfach Schnaps.

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Murmeln im Kopf

Die Kinderärztin vom Kassenärztlichen Notdienst setzt ein ernstes Gesicht auf: „Versprichst du mir, dir nie wieder eine Murmel ins Ohr zu stecken? In die Nase auch nicht?“ Die Vierjährige schaut auf ihre Schuhe und zuckt mit den Achseln: „Nein.“ O.k. Und hey, super, dass sie jetzt weiß, Murmeln passen auch in Nasenlöcher. Danke!

Wie ist euer Notaufnahme-Schnitt mit Kindern? Wir sind das vor ein paar Tagen mal durchgegangen. In fast 14 Jahren mit inzwischen fünf Kindern kommen wir auf zweimal Notaufnahme. „Kein schlechter Schnitt“, sag ich und bereu es sofort. Eltern kennen die Regel: freust du dich über das Ausbleiben von Katastrophen treten sie augenblicklich ein. Logisch.

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Einfach mal jammern

Egal wie lustig sich manches aus unserem Haus anhört, anstrengend ist es im Abgang immer. Irre anstrengend bisweilen. Manchmal so anstrengend, dass ich alles hinschmeißen und Hängematratzentester auf Bali werden will. Weil das aber nicht geht und ich mir dieses ganze laute Durcheinander irgendwie selbst ausgesucht habe, muss ich halt jammern. Das kann ich gut.

Als Dompteuse von fünf Kindern und eines verhaltensoriginellen Mannes habe ich das Jammern zur Kunst erhoben. Ich kann das laut, leise, sarkastisch, ironisch, ernst, mit Schnodder, ohne, schriftlich, mündlich, stehend, liegend, sitzend und auch gemalt. Aber vor allem kann ich eines gut: mich aufregen.

Das sollte man ab und an auch tun. Bevor man chronischen Flatterpuls bekommt oder die Aussicht auf einen netten Amoklauf am Montagmorgen im überfüllten Supermarkt ganz entspannend findet. Dann sollte man einfach mal Luft ablassen, aufs Feld raus und schreien, Schimpfwörter ins Tagebuch schreiben oder den Tag ganz einfach richtig scheiße finden und das auch sagen. Gerne in Schachtelsätzen. Dann verliert sich die Schwere der Belastung ein wenig. Denn egal wie stressig und nervtötend, wie zeitraubend und pulstreibend das Leben mit Kindern sein kann. Am Ende liebt man die Plagen ja doch. Wenn sie schlafen. Und keiner ans Nutella geht, außer den Eltern, die das dann schluchzend auf dem Sofa direkt aus dem Glas löffeln. Was wir hier natürlich niemals machen würden!

Diese ganze Instagram-Idylle von perfekt angezogenen Kindern, die friedlich im Garten spielen oder ohne Schokolade an den Händen auf der weißen Couch mit pastellfarbenen Kissen sitzen ist nett. Nett, hübsch anzusehen, aber ein Märchen. Am Ende des Tages kann ich mir nichts Schöneres (doch!) vorstellen, als hinter fünf Kindern herzuräumen, Schubladen wieder einzuhängen oder zerbrochenes Geschirr zusammenzukehren. Mein Sofa war nie weiß, aber orange, bis es liebevoll mit Mascara, Penatencreme, Kakao und Joghurt eingerieben wurde. Schöner wurde es dadurch nicht, aber fleckiger. In Berlin würde man das so bearbeitete Möbelstück in einem sonst spärlich eingerichteten Raum vor eine nackte Betonwand stellen und das als “Loft-Chic” über Airbnb untervermieten. Hier aufm schnöden Land ist das Sofa halt einfach kinderintensiv abgeranzt.

Das Lettering stammt von der wunderbaren Fräulein Hedwig | hier geht’s zu ihrem Instagram-Profil

Und das macht mich ab und an wahnsinnig. Jetzt könnte man sagen: Erzieh deine Kinder halt besser. Jetzt könnte ich mir das zu Herzen nehmen und mir Hilfe bei der Bundeswehr suchen. So ein bisschen Drill hat ja noch keinem geschadet. Aber: Nö. Die sind entweder noch zu jung, um zu verstehen, dass Joghurt nicht aufs Polster gehört. Oder sie haben es – dank kurzer Aufmerksamkeitsspanne – nach fünf Minuten wieder vergessen. Oder sie sind inzwischen zu Teenagern herangewachsen, die ja auch einen Berg Dreckwäsche in ihrem Zimmer liebevoll aus “Myll”-Kunst bezeichnen. Und die muss liegen bleiben, sonst kann’s ja keiner sehen. Oder sie sind vier und bockig und du bist eh die böse Mama, egal was du sagst. Ich rede mir ganz oft ein, dass ich gewonnen hab, wenn sie alle im Bett liegen und schlafen.

Dass ich zwischen Kindergarten, Schule, Wäsche, Arztterminen, Pflegedienst und Ehrenamt (Bin ich als stellvertretende Schulelternsprecherin ehrenamtlich tätig oder einfach nur bekloppt? Gute Frage, ne.), Kochen und Hausaufgabenhefte kontrollieren, keines der Kinder irgendwo in der Pampa vergessen habe, rechne ich mir jeden Abends aufs Neue hoch an. Und das war auch der längste Schachtelsatz heute.

Dass ich manchmal wie der Hulk laut schreiend aus der Haut fahren möchte, kann man das nachvollziehen? Meine Tage sind oft zu kurz, um alles zu schaffen. Die Wäsche bleibt liegen. Das Chaos im Wohnzimmer auch. Die Nächte sind anstrengend, wenn der Blutzucker vom Söhnchen mal wieder Achterbahn fährt und seine Zwillingsschwester partout nicht in ihrem Bett schlafen will. Dann hab ich plötzlich drei Kleinkinder in meinem Bett liegen und schlafe am Ende der Nacht am Fußende, weil die sich so verflixt breit machen. Dass ich trotzdem vor Liebe zerfließen könnte, wenn diese pausbäckigen Monster im Schlaf die niedlichsten Grimassen ziehen, sag ich lieber nicht. Dass ich stolz bin, wenn ich sehe, wie sich meine älteste Tochter entwickelt, verrat ich nicht. Dass ich ihren trockenen Humor und beißenden Sarkasmus liebe, weil sie den von mir hat, braucht sie auch nicht zu wissen. Dass meine Stieftochter aufblüht und bald auf die weiterführende Schule wechselt, macht mich froh. Dass meine Vierjährige so ein wundervoll altkluger Dickkopf ist, das sage ich ihr täglich. Und sie sagt mir, dass ich eine liebe alte Mama bin.

Und trotzdem möchte ich manchmal die Tür hinter mir ins Schloss fallen lassen und ans Meer fahren. Allein. Nur die Wellen und ich. Warum ich das nicht mache? Weil das alte Auto die Strecke nicht mehr schaffen würde und ich sowieso nach einem halben Tag heulend wieder zu Hause säße, weil ich diese Horde Kinder und dieses Leben schrecklich vermissen würde. Bekloppt. Ich weiß. Ihr würdet es ja auch nicht anders machen. Gebt es ruhig zu.

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Papas sind leichte Opfer

Heute Nachmittag war ich mit der Großen in der Stadt beim Optiker. Nach gut einer Stunde, dreitausend Brillengestellen später und 150€ ärmer kamen wir wieder zu Hause an. Oder besser: in dem was davon übrig blieb. Ich hätte vielleicht einfach im Auto sitzen bleiben und zur Ostsee durchfahren sollen. Da ist es im Winter ganz wunderbar still und aufgeräumt.

Der Papa war mit den drei Kleinsten allein zu Hause. Und sagen wir mal so: Die müssen den Kerl sediert und mit Panzertape an die Decke geklebt haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Vielleicht ist mein Mann in dieser auch Zeit schlagartig erblindet, wurde taub und bewegungsunfähig. Die Kinder könnten ihn mit einem Nudelholz k.o. geschlagen haben. Eventuell war er aber auch so sehr gefesselt von seinem neuerlichen Raub in Age of Empires, dass es ihm unmöglich war, nach den Kindern zu sehen. Ich habe da viele Theorien. Er hatte gerade nur ein überraschtes „Huch!“ in petto. Und ich hab Puls.

Chaos und Zerstörung komprimiert auf 60 Minuten. Das ist eine krasse Leistung. Im Kinderzimmer befand sich kein Stein mehr auf dem anderen. Der Putz in der Küche wurde an diversen Stellen großzügig abgeschabt, glatte Wände sind ja auch viel schöner. Vom Flur bis zum hintersten Winkel des Kinderzimmers lag eine Spur Styropor, wie Brotkrümel. Beim Sonntagsmärchen passen sie also gut auf. Die Werkbank und der große Bagger waren als Schutzwall hinter der Tür zum Kinderzimmer aufgebaut und danach musste ich mich erst einmal durch ein Gebiet voller Tretminen schlagen – Matchbox Autos und Legosteine. Dazwischen Haarspangen. Unzählige! Jetzt hab ich die zumindest wieder und muss nicht mehr verzweifelt danach suchen.

Weil das an sich Situationen sind, in denen mir gerne die ein oder andere Halsschlagader platzt, atme ich tief durch und schnür die Laufschuhe. Schlimmer kann es ja nicht werden. Ach was red ich. Kann es doch. Während ich japsend und graziös wie ein besoffener Otter meine sechs Kilometer runterreiße, reißen die Plagegeister zu Hause den Inhalt meiner Handtasche an sich und versenken ihre Handabdrücke in der Quarktorte. Als Finale parken sie den Schiebe-Bagger als Stolperfalle direkt hinter der Schlafzimmertür. 

Und jetzt weiß ich es auch: Ich lass sie nie wieder „Minions“ gucken, die lernen da zu viel. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben die sich übereinander gestapelt und sind als hinterhältige Räuberleiter mit der Wokpfanne im Anschlag hinterrücks auf meinen Mann los. Die haben den Ärmsten erneut bewusstlos geschlagen! Der kann gar nix dafür. Seht ihr doch auch so?

Diese Theorie rettet zumindest sein Leben für den Moment. Er schenkt mir gerade ein Glas Martini ein. Und dann mach ich die Augen zu und singe ganz laut „Lalalalala!“ – dann ist das ganze Chaos nämlich gar nicht mehr da.