Ach komm, das wird gut.

Kindertag mit Kindern.

In Thüringen haben wir seit diesem Jahr das Privileg, den Internationalen Kindertag als Feiertag begehen zu können. Arbeitsfrei, schulfrei, kindergartenfrei. Und damit fängt das Dilemma schon an. Denn Feiertage und Wochenenden haben die blöde Angewohnheit, meinen Mann im Internet nach Festen und Veranstaltungen suchen zu lassen, die man mit den Kindern besuchen könnte. Das wird toll! Da gibt es bestimmt auch Hüpfburgen. Lass uns mal die Kinder einpacken und losfahren. Und mit der Zielgenauigkeit eines Trüffelschweins, findet er genau die Veranstaltungen, nach denen mein Nervenkostüm notgerodet werden muss. Und ich weiß das immer schon genau dann, wenn er mir sagt, dass wir heute doch nach Kleinklappersdorf fahren könnten, da wäre ein Kinderfest und da wäre bestimmt was für die Kinder dabei. Fein.

Ich glaube ja mittlerweile auch, dass der Mann so viele Kinder hat, weil er einen ausgeprägten Hang zum Masochismus hat. Und weil wir verheiratet sind, muss ich den ganzen Hurz auch noch mitmachen. Das ist so schön! Heute also, sind wir zu einem Kinderfest ganz in der Nähe gefahren. Die Älteste im Bunde wollte schon wieder nach Hause, da waren wir noch gar nicht losgefahren. Die Zwölfjährige sinnierte darüber wie viele Bratwürste sie wohl essen würde und die drei Kleinsten riefen im Chor – laut, schrill, schräg – “Hüpfburg!”. Die Hüpfburg auf dem Fest haben sie dann aber glatt übersehen, weil die so klein war und überhaupt war da alles doof, denn zwei Minuten nach unserem Eintreffen, verkündete der Cateringstand, es gäbe außer Zuckerwatte und kandierten Äpfel nix mehr. Ich schwöre! Wir waren das nicht! Wir hatten nicht mal die Chance alles leer zu fressen. Da war schon nix mehr da. Unglaublich! Weil man fünf Kinder unseren Blutes (ja, ich schaue Game of Thrones und eigentlich sind die drei Kleinsten Drachen) nicht allein von Zuckerwatte und in Schokolade gehüllten Mini-Äpfeln satt bekommt, drehten wir gleich wieder um Richtung Parkplatz und packten die ganze Bande erneut ins Auto, um das zweite Kinderfest auf dem Plan meines Mannes anzusteuern. Dass wir dafür allerdings eine halbe Weltreise hinter uns bringen mussten, hätte er ja auch irgendwann am Rande erwähnen können.

Ihr ahnt es nicht. Als wir da ankommen, stehen wir vor einem Fußballfeld. Voller Hüpfburgen! Vier Kinder kreischen sich fast besinnungslos. Eins möchte jetzt bitte nach Hause und mein Mann entdeckt den Bratwurststand. Die drei (oder vier) Kleinsten rennen S O F O R T los und ich hinterher. Wir verschwinden auf der Stelle im Bermudadreieck der Kletterhüpfburgen und mein Mann wartet derweil mit der Großen eine geschlagene halbe Stunde, um dann vier echt unleckere Bratwürste anzuschleppen, um die sich fünf Kinder augenblicklich prügeln und die am Ende ja doch angefressen bei mir landen. Aus dem Augenwinkel sehe ich etwas, das mein Herz kurz aussetzen lässt. Vor Panik. Da steht eine Frozen-Hüpfburg. Gottverdammte Hölle! Welcher perfide Geist hat genau im Zentrum dieses Hüpfburg-Universums Anna und Elsa platziert?! Die Kinder sehen das und rennen los. Durcheinander. Schreiend. Wie Hunnen auf Beutezug. Auf die übervolle Hüpfburg. Und wir schlurfen völlig ohnmächtig hinterher.

Auf den zweiten Blick entpuppt sich das Ganze als schlauer Schachzug. Direkt vor dieser vermalledeiten Hüpfburg stehen wir buchstäblich im Auge des Sturms. Hier herrscht völlige Ruhe. Ich lasse vier Paar Kinderschuhe ins Gras fallen, stelle meine Füße hüftbreit voneinander entfernt fest auf den Boden und verschränke die Arme. Ich habe den Anker gelegt. Von hier aus habe ich alle Hüpfburgen und alle meine Kinder im Blick, die sich wie Atomkerne voneinander abstoßen und in kurzen Abständen die Hüpfburgen wechseln. Ich meine, da ein Zickzack-Muster ausmachen zu können. Dazwischen sehe ich Eltern in Panik hinter ihren Kindern herrennen. Sie rufen. Sich fragend am Kopf kratzen und verwirrt wie ein Huhn von links nach rechts blicken. Anfänger! Ich hab für sowas Personal – nämlich die zwei Großen und meinen Mann. Die rennen hektisch hinterher, suchen und tragen zurück. Das sind unglaublich schöne zwei Minuten, bevor einer der Teenager verkündet, sein Geschwisterchen aus den Augen verloren zu haben. Irgendwann wird das unentspannt und ich denke herzhaft über Alkohol nach.

Nach zwei Stunden ist aber zum Glück jede Hüpfburg abgefrühstückt und alle quengeln. Der Heuschreckenschwarm Großfamilie zieht weiter. Denn: die Kinder haben Hunger und Durst und wollen Eis. Zur Feier des Tages gibt es mal was richtig Gutes: McDonald’s. Und das ist – oh Überraschung – unglaublich überfüllt. Nachdem wir den Bestand an Happy Meals und McSundaes leergekauft haben, steigen wir allesamt vollgefressen und vorzüglich zankend in die Autos und fahren in den Sonnenuntergang. Nach Hause. Aufs Sofa. Wo ich meine Ruhe hab. Wenn die Kinder endlich schlafen. Feiertage sind toll! Lasst euch da nie was anderes erzählen.

3 Kommentare bei „Ach komm, das wird gut.“

  1. Ich möchte auch ne Elsa Hüpfburg

    1. Nein, möchtest du nicht. Glaub mir, Karina.

  2. Falls Sie jemals ein Buch veröffentlichen – und bei Gott ich hoffe es! – möchte ich bitte eine signierte Erstausgabe erwerben !!

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